Autorarchive: Tilmann Waldvogel

Illulabor

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…um bei ihnen, in ihren heiligen Hallen, das diesjährige Illustration-Festival die „Illu2“ voranzukündigen. Aber ganz von vorne.

Das Kulturaggregat ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, freistehende Räume zwischenzunutzen und diese mit Farbe zu füllen. Und das, muss man sagen, gelingt dieser engagierten Truppe ganz hervorragend. „August 2“ hieß das zweite Großprojekt des Aggregats. Eine durch ein Kernsanierungs-Projekt leerstehende Einkaufspassage. Groß, mit vielen einzelnen, leerstehenden Ladengeschäften die nun für Kunstschaffende zum „Spielen“ bereitstanden. Werkstatt, Atelier, Galerie und Treffpunkt für Gestalter aller Art und Interessierte. Ein Segen. Den ganzen verdammten Jahrhundertsommer lang. Thanks a lot und weiter so, ihr Lieben. 

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Und somit hatte auch ich diesen Sommer das Vergnügen mich ebenda reinzusetzen und abzuhängen. Das ganze war sozusagen ein Live-Teaser für das Illu2-Festival im Oktober. Der Plan, Interessierte und Unwissende über das Festival zu informieren und ihnen einen Einblick zu geben in die Arbeit der Illustratoren. Mit dabei waren die sagenhafte Silke , die großartige Milla, die reizende Svenja, der unglaubliche Marsen und auch ich. Das war produktiv. Zeichen-Sessions bis früh, Siebruck-Sauereien im ehemaligen Angestellten-Klo, Feierabendbierchen um der Hitze zu trotzen und Passanten die einfach mal wissen wollten, was wir da so „malen“. 

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Entstanden sind Arbeiten mit Hunden, Krokodilen, Affen, Tauchern, Truthennen und Mädchen mit Blitzen anstatt Augen(!). Es wurde gekritzelt, schraffiert, koloriert, geschnitzt, gedruckt, geklebt, geschnitten, gefaltet…den ganzen Tag. Und wenn wir müde waren, haben wir geschlafen.

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Seeseitig

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Konstanz im Frühsommer 2015. Angenehme Seeluft, erfrischendes Nass und wie gewöhnlich unzählige Eidgenossen auf Shoppingtour. Ich hatte am 20. Juni die große Ehre meine Werke in einer von Konstanz feinsten Adressen für gepflegte Trinkkultur auszustellen – dem Klimperkasten.  

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Der Abend der Vernissage war gelungen. Mein Freund Bernt an den Plattentellern – stets ein Genuss, Kaltgetränke in den unterschiedlichsten Varianten und ganz viele interessierte Besucher. Doch nicht nur der Rahmen stimmte, sondern auch die Verkaufsstatistik. Fazit: Konstanz likes Woodbird.  

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Woodbird goes huber

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Donnerstag Morgen. Frühstückstreff mit dem Homie. Zeitung brüderlich geteilt. Er – den Politikteil, ich locker mit dem regionalen Sportteil und dazu Anettes unverschämt delikate Frittata, zwei doppelte Espresso und ein Glas Rote-Beete-Saft. Alles soweit hervorragend.

Ein ältere Herr, sehr vornehm, mit großer Kamera um den Hals kommt an unseren Tisch. Er fragt uns höflich, ob es uns denn etwas ausmachen würde, wenn er ein paar Aufnahmen von der Lokalität macht und wir, sozusagen als notwendiges Interieur, mit abgelichtet werden. Wie er uns erklärte, seien die Aufnahmen für einen Freiburger Fremdenführer der alle paar Jahre erscheint. Das Huber war in der letzten Ausgabe noch nicht mit dabei und wir dachten uns, super Sache, kein Problem, leg los. Was kann falsch daran sein einen seiner persönlichen Lieblingsläden würdevoll in einem Stadtführer zu vertreten. Das machen wir doch gerne.  

Doch just in dem Moment rast aus dem hintersten Winkel des Hubers ein völlig wahnsinnig gewordener Giftzwerg auf uns zu und brüllt unseren netten Fotografen an. Hä? Was ist denn hier los…? Ob er schon von Persönlichkeitsrechtsverletzung gehört habe und was das hier soll, und so weiter. Der Fotograf, sichtlich irritiert, entschuldigt sich, erklärt sein Vorhaben, schildert ihm, dass er uns schon gefragt habe und, dass er ja, da er im hintersten Winkel des Ladens sitzt, gar nicht auf den Fotos zu sehen sei. Der Wutzwerg kehrt an seinen Platz zurück und erklärt dem netten Herr Fotografen noch, dass er sich gefälligst verkrümeln soll. 

Etwas verdutzt sitzen wir vor unserem spanischen Eierkuchen. Der sichtlich irritierte Fotograf macht noch zwei letzte Fotos von uns – Fehler! Jetzt ist unser schleimiger Persönlichkeitsrechtsvertreter voll in Fahrt und droht dem Herren mit der Kamera Prügel an. In diesem Moment stellen sich alle Haare an meinem Körper auf, Adrenalin schießt ein und ich fühle mich gezwungen aufzustehen und Partei für den Fremdenführer Herausgeber zu ergreifen. Nicht nur mir geht es so, auch mein Freund steht schon. Mit vereinten (verbalen) Kräften entsorgen wir den Störenfried und geben ihm mit auf den Weg, zeitnah ein Aggressionsbewältigungsseminar zu besuchen. 

Das wars also, Frühstück versaut, ich war sauer!

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Diese Geschichte muss erzählt werden, denn nur so versteht man den Titel „Saure Suppe“ meiner Ausstellung, die ich nur ein paar Wochen später im Huber hatte. Metakulinarische Spezialitäten wurden serviert. Speisen mit skurrilen Namen, die sich wunderbar in ein paar kleinen Zeichnungen präsentieren ließen. Es hat Spaß gemacht, die Vorbereitungen auf die Ausstellung sowie die Vernissage. Danke Anette. Und ich danke auch dir lieber Unbekannter für deinen unsäglichen Auftritt, du hast mich tatsächlich beschäftigt, vielleicht sogar ein bisschen inspiriert. Ich habe mir aber sagen lassen, dass Spektrophobie oder was auch immer dich so quält, behandelbar ist. Auch du kannst geheilt werden und das wäre doch schön, oder?

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